Lieblingswerk der Fürstlichen Sammlungen: der Mailänder Kabinettschrank


Regelmäßig stellen die KunstvermittlerInnen der liechtensteinischen Palais ihre Lieblingswerke der Fürstlichen Sammlungen vor.

 

In diesem Beitrag präsentiert Kunstvermittlerin Patricia Grabmayr den Mailänder Kabinettschrank, entstanden um 1569. Bartholomeus Weißhaupt zugeschrieben, handelt es sich der Funktion zufolge um einen Schreibschrank, der als solcher wohl nie verwendet wurde. Bereits zu seiner Entstehung galt das Möbelstück als Prachtexemplar und diente ausschließlich der Repräsentation des Besitzers.

 

Mein Lieblingsstück der fürstlichen Kunstsammlung ist das Mailänder Kabinett, offiziell Der Mailänder Kabinettschrank genannt. Es handelt sich dabei um ein unglaublich fein gearbeitetes Möbelstück aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Name Mailänder Kabinett rührt daher, dass dieser Schrank in einem Palais in Mailand fast fünf Jahrhunderte überdauerte, bis er wiederentdeckt und als absolute Rarität auf den Markt und in den Besitz des Fürsten kam. Der Schrank in der üblichen Kastenform enthält neun Türen oder Klappen, 42 Schubladen, davon sind vier als Geheimfächer gut versteckt. Als Überraschung lassen sich dem Mailänder Kabinett noch ein Lese- oder Schreibpult sowie drei komplette, eigenständige Kabinettmöbelchen entnehmen. Dieses Möbel, dieses Kunstwerk beeindruckt den Betrachter, und genau dafür ist es gebaut worden. Es ist ein Stück für eine Kunstkammer.

 

Das Mailänder Kabinett gilt als der absolute Höhepunkt der deutschen Möbelbaukunst. Die Fülle und die unterschiedliche Vielfalt der Intarsien, die alle Flächen der Innen- und der Außenseiten überziehen, ist überwältigend. Die verschiedenen Hölzer – für die Konstruktion Fichte, für die Intarsien vor allem ungarische Esche, aber auch viele Hölzer aus dem Raum Augsburg – sind in bewundernswerter technischer und handwerklicher Präzision zu phantasievollen Bildern gefügt, die teils abstrakte Ornamente zeigen, teils naturalistische Erzählungen. Besonders auffällig ist, das sich überall dehende, ineinandergeschobene, sich schraubenartig herauswindende Rollwerk (Dekorationsform des Manierismus). Die Farbigkeit ist braun in braun, der grüne Ton stammt von einem Pilz, die dunklen Schattierungen sind geflämmt oder gebrannt. Schattierungen werden durch hauchdünne Späne erzeugt.

 

Die Bildwelt ist fantastisch, sowohl vom künstlerischen wie auch vom handwerklichen Aspekt. Die Details der Einlegearbeiten sind unglaublich fein, „so wie es Maler nicht können“ heißt es in einem zeitgenössischen Dokument aus Augsburg. Wir haben Bilder aus der griechischen Mythologie, dem alten und dem neuen Testament, Heiligenlegenden, Tiere, Pflanzen und Musikinstrumente. Die Bildwelt scheint keiner programmatischen Erzählung zu folgen, sondern sie vermittelt einen universellen Anspruch. Und das ist es, was mich begeistert und ich denke, dass dies auch die Absicht von Künstler und Auftraggeber war. Das Auge des Betrachters entdeckt stets etwas Neues und man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

 

 


 

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