Improvisiert, hochenergetisch und immer etwas anders – die Musik von Café Drechsler


Am 11. Juli startet das erfolgreiche Kulturfestival Sommer Rhapsodie im Garten in seine dritte Saison. Fünf Wochen wird damit der Außenbereich des GARTENPALAIS wieder ganz im Zeichen von Musik, Literatur und Kabarett stehen. Doch was passiert, wenn noch keine Festivalsaison ist?

 

Co-Organisatorin der Sommer Rhapsodie Melanie Hirsch gewährt uns in einem kurzen Gastkommentar einen persönlichen Einblick und lässt uns dabei auch an ihrem Gespräch mit Ulrich Drechsler teilhaben. Am 13. Juli ist er mit seiner Band Café Drechsler auf der diesjährigen Sommer Rhapsodie-Bühne zu Gast.

 

Im 'Sommer Rhapsodie‘ Büro wird es nun immer geschäftiger – die Kartenbuchung und Organisation läuft auf vollen Touren und es ist schön zu sehen, wie sich die einzelnen Veranstaltungen Ticket für Ticket füllen. Und so wächst auch jeden Tag die Vorfreude, in wenigen Wochen wieder Gäste im Garten vor der 'Sommer Rhapsodie' Bühne begrüßen zu dürfen. Um mir und vielleicht auch Ihnen die Wartezeit zu verkürzen, treffe ich mich mit Ulrich Drechsler, Saxophonist der Wiener Band 'Café Drechsler‘. Wir sitzen im Gastgarten der Hofkellerei und plaudern, wie könnte es anders sein, über 'Café Drechsler'.

 

 

Melanie Hirsch: Wie kam es zu Café Drechsler?


Ulrich Drechsler: Anfang des neuen Millenniums haben wir drei – Schlagzeuger Alex Deutsch, Oliver Steger, der Kontrabassist und ich – uns zufällig getroffen und festgestellt, dass wir eigentlich für die gleiche Musik brennen. Wir sind daraufhin ins Tonstudio gegangen und haben ein Demo aufgenommen. Der Tontechniker hat uns dann die Master-CD überreicht, mit einem handgemalten Foto vom Café Drechsler am Naschmarkt darauf. So ist der Name entstanden.

 

Das erste Konzert haben wir dann im Café Europa in der Zollergasse im 7. Bezirk gegeben. Uns wurde klar – damals aber noch unbewusst – dass wir eigentlich eine Marktlücke entdeckt haben. Zu dem Zeitpunkt war noch die große Zeit des Wiener Downbeats. Die Clubs waren voll, die ganze Stadt ist tanzen gegangen. Tanzbare Musik kannte man aber von den Turntables nur in elektronischer Form. Und dann kamen da auf einmal drei Menschen daher, die sich mit Saxophon, Kontrabass und Schlagzeug hingestellt und gespielt haben. Man konnte sich super dazu bewegen. Das ging dann damals echt durch die Decke. Bis 2006 bestand das Café Drechsler, dann haben wir eine Pause gemacht und seit 2017 gibt’s uns jetzt wieder.

 

Von 2006 bis 2017 – das war eine lange Pause…


Ja, das war eine lange Pause. Jeder hat in der Zeit eigene Projekte vorangetrieben. Die sechs Jahre waren sehr intensiv, wir haben auch gut gestritten (lacht) und irgendwie war dann auch ein bisschen die Luft raus.

 

Der Grund für den Neu- oder Wiederbeginn war, dass Alex Deutsch, unser Schlagzeuger, 2016 sein 40-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert und dann gefragt hat, ob wir nicht zu dritt im Porgy und Bess 20 Minuten spielen wollen. Und was ist passiert? Die Hütte war voll, die Leute haben getobt, die Plattenfirma stand sofort wieder vor der Tür und hat gesagt: „Na wie wär‘s, macht ihr wieder eine Platte?“

 

Und im Vergleich zu früher: macht ihr da weiter, wo ihr wart? Sind das Café Drechsler und damit eure Musik nun älter und lebensweiser? Was hat sich geändert?

 

Sicher hat sich die Musik geändert. Jeder von uns kommt aus künstlerisch-musikalisch unterschiedlichen Ecken. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist das Grundkonzept, wonach wir ausschließlich improvisieren – und dieses Konzept war auch immer das Besondere an Café Drechsler. Wenn man die Band live hört, kann man sich das nicht wirklich vorstellen, weil die Musik komponiert klingt – aber es ist alles improvisiert. Einer fängt an und die anderen finden dann in Sekundenbruchteilen etwas Passendes dazu. Und das Tolle daran ist, dass es mit dem Publikum und der Umgebung ein unglaublich interagierendes Format ist. Du kannst uns auf eine Bühne stellen, auf ein Festival, ins Konzerthaus oder an eine Straßenecke. Es ist jedes Mal anders, aber es passt immer in den Rahmen. Und das war immer das große Geheimnis dieser Band.

 

Wie stellt man sich das praktisch vor? Sagt dann einer „E-Dur“ und dann fangt ihr an?

 

Nein, es fängt einfach einer an und die anderen finden sich ein. Dennoch hat es ganz klare Strukturen. Das ist wie bei Popsongs, das findet sich.

 

Dafür muss man sich aber bestimmt lange kennen? Oder gut verstehen?

 

Ja, dafür muss man sich lange kennen. Das hat immer großartig mit der Band funktioniert. Wir haben eine eigene musikalische Sprache gefunden, zu jeder von uns dreien etwas beitragen kann. Das ist hochenergetische Musik.

 

Ihr spielt also kein Stück zweimal?

 

Genau! Natürlich gibt es schon mal eine ähnliche Basslinie oder gleiche Rhythmen, aber dann spielt einer von uns etwas Neues dazu, und schon fühlt es sich wieder anders an. Und es hängt auch ganz viel vom Publikum ab.

 

Nehmt ihr die Stimmung des Publikums auf?

 

Das stelle ich mir unter einer Idealsituation vor: es ist ein Austausch, man verbringt Zeit miteinander. Wir reagieren auf das Publikum und das Publikum reagiert auf uns. Wenn man zurückblickt, dann war Kunst und Kultur immer zur Unterhaltung da. Wir sind dazu da, das Publikum zu unterhalten. Und Unterhaltungen führt man nicht allein, sondern im gegenseitigen Austausch. Und das funktioniert mit dieser Band extrem gut.

 

Euer neues Programm heißt „Let it touch you“ – bezieht sich das darauf?

 

Genau, ich finde das gerade in Zeiten wie diesen sehr treffend. In den letzten zwei Jahren waren wir nur darauf konditioniert, in den eigenen vier Wänden zu sitzen, uns selbst zu bespaßen und auf Distanz zu konsumieren. Direkte Kommunikation und das direkte Wahrnehmen eines Gegenübers haben stark abgenommen. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, keine direkten Gespräche mehr zu führen. Ich habe zu Hause meine komplette elektronische Ausstattung, wozu muss ich da noch in ein Konzert gehen? Diese Entwicklung gab es schon immer, und sie hat sich in den letzten zwei Jahren extrem beschleunigt.

 

Wenn es kein Stück zweimal gibt und alles improvisiert ist – wann ist dann der Punkt, an dem ihr sagt, das ist nun ein neues Programm?

 

Eigentlich gibt es kein neues Programm. Oder wir haben jedes Mal ein neues Programm. Wir haben zwar eine neue Platte, aber ich glaube nicht, dass wir beim Konzert – oder wenn, dann nur durch Zufall – ein Stück von der Platte spielen werden.

 

Was erwartet unsere Gäste also beim Konzert von Café Drechsler auf der Sommer Rhapsodie-Bühne?

 

Café Drechsler in Bestform und viel gemeinsamer Spaß! Das ist das Wichtigste!

 

 

Cafe-Drechsler_2_(c)MaxParovsky-(1).jpg

 

Bild: Die Wiener Band Café Drechsler © Max Parovsky

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe, die im Newsletter des 'Palais Liechtenstein' erscheint. In mehreren Aussendungen durften wir dabei bisher hinter die Kulissen der 'Sommer Rhapsodie' blicken. Wenn auch Sie zukünftig mehr über das Hintergrundgeschehen des Kulturfestivals erfahren möchten, dann abonnieren Sie hier unseren Newsletter.

 


 

Café Drechsler am 13. Juli 2022 zu Gast bei der Sommer Rhapsodie

 

TICKETS FÜR CAFÉ DRECHSLER

 

Mehr Informationen zum kompletten Programm 2022 finden Sie hier.

Ihre Tickets

Es befinden sich keine Tickets in Ihrem Warenkorb.