Nach der Sommer Rhapsodie ist vor der Sommer Rhapsodie - ein Festivalprogramm entsteht. 


Bereits seine zweite Ausgabe feierte das erfolgreiche Kulturfestival im vergangenen Sommer, fünf Wochen stand damit der Außenbereich des GARTENPALAIS ganz im Zeichen von Musik, Literatur und Kabarett. Doch was passiert, wenn gerade keine Festivalsaison ist?

 

Wir haben uns mit den künstlerischen Leiterinnen Mena Scheuba-Tempfer und Melanie Hirsch auf ein Videogespräch getroffen, um hinter die Kulissen zu blicken und dabei etwas mehr über die Gestaltung eines Festivalprogramms zu erfahren.

 


Palais Liechtenstein: Bis zur ‚Sommer Rhapsodie‘ 2022 vergeht ja noch etwas Zeit. Wann beginnen bei euch die Überlegungen, was BesucherInnen im nächsten Jahr auf der Bühne sehen werden?

Mena Scheuba-Tempfer: Die Programmierung und Organisation von so einem Festival beginnt in dem Moment, in dem der letzte Abend des vorherigen Festivals läuft. Manchmal sogar schon früher.

Melanie Hirsch: Ja, fast schon vorher. Die Termine für das kommende Jahr stehen schon während der laufenden Sommer Rhapsodie fest.

Mena Scheuba-Tempfer: Nach der Sommer Rhapsodie ist quasi vor der Sommer Rhapsodie. Was das Programm betrifft, sind wir in der Planung schon sehr fortgeschritten. Das ist auch notwendig, weil die KünstlerInnen mindestens ein ¾ Jahr bis ein Jahr im Vorhinein gebucht werden müssen. Zuerst werfen Melanie und ich Programmideen zusammen, die uns ganz passend erscheinen. Dabei haben wir auch entschieden, dass wir die Struktur des letzten Jahres beibehalten wollen - also Vorstellungen jeweils am Montag, Dienstag und Mittwoch. Auch Rubriken wie Klassik, Theater, Lesung, Wort und Contemporary soll es wieder geben. Jetzt sind wir mehr oder weniger in der Phase, wo wir die KünstlerInnen ansprechen und klären, ob sie zu dem Zeitpunkt verfügbar sind.

Palais Liechtenstein: Ihr leitet das Festival gemeinsam. Gibt es bei der Programmerstellung eine Verteilung der Aufgaben?

Melanie Hirsch: Während des ganzen Jahres haben wir beide die Antennen ausgestreckt – was würde bei uns gut reinpassen. Wir sind zwar ein künstlerisches Leitungsteam, intern sind die Aufgaben aber schwerpunktmäßig verteilt. Federführend bei der Programmwahl ist Mena. Parallel dazu begleite ich das Ganze dann eventmäßig und bin etwa auch für den Budgetentwurf zuständig, hole Angebote für Bühne und Mobiliar ein. Bei der Sommer Rhapsodie gibt es mehrere Personen, deren Meinungen und Wünsche einfließen. Das ist toll – so entsteht ein gewisses Multikulti, was wir auch irgendwie als Konzept haben. Es sind viele Leute daran beteiligt und das bildet das Projekt auch einfach ab.

Mena Scheuba-Tempfer: Ich bin auch froh, wenn Input kommt. Je mehr umso besser. Dann muss man nur versuchen, den Überblick zu behalten und sicherzustellen, dass es zusammenpasst. Manchmal werden gute Vorschläge gemacht, die aber in der Gesamtprogrammierung rausfallen oder sich untereinander zu ähnlich sind. Es sollte auch innerhalb der Genres möglichst unterschiedlich sein und sich nicht wiederholen.

Palais Liechtenstein: In der Vergangenheit wurde so mancher Abend auch geteilt und bestand damit aus zwei Darbietungen. Wie entscheidet ihr, ob es einen oder zwei Acts pro Abend geben soll?

Melanie Hirsch: Bei der Gestaltung pro Abend ist es eher ein Gefühl: Will ich das den ganzen Abend sehen? Verkauft sich das für einen ganzen Abend? Und manchmal denkt man auch, das ist ganz cool, aber es trägt nicht so lange. Dann wird der Act mit einem anderen kombiniert. Das entsteht mehr aus Erfahrung und Gefühl heraus. Oder, was sagst du, Mena?

Mena Scheuba-Tempfer: Ja, absolut. Wenn die Matineen noch nicht dazu gerechnet werden, dann haben wir 15 Abende. Das heißt, in jedem Fall brauchen wir 15 Darbietungen. Diese Zweiteilung hat sich aber nicht schlecht bewährt, mit einem „vor der Pause“ und einem „nach der Pause“.

Palais Liechtenstein: Welchen Stellenwert hat die Integration schon bekannterer Acts und wie wichtig ist es euch, auch Newcomer im Programm zu haben?

Melanie Hirsch: Es ist bestimmt von allem ein bisschen. Klar, „große Namen“ verkaufen gut und eine gewisse Wirtschaftlichkeit müssen wir, genau wie alle anderen auch, im Auge behalten. Ich glaube, es braucht das gewisse Etwas im Programm, damit es insgesamt stimmig ist.

Mena Scheuba-Tempfer: Es sind viele Aspekte. Es sind bekanntere Acts – das ist eben wichtig wegen der Verkaufszahlen, aber auch wegen des gesamten Renommees – und andererseits soll es auch keine Starparade sein. Wir versuchen genauso, weniger bekannte Acts und KünstlerInnen zu präsentieren und damit etwas zu zeigen, was BesucherInnen vielleicht noch nicht so gut kennen, aber dann von der Qualität begeistert und überzeugt sind. Ich glaube, diese Kombination macht schon sehr viel Sinn.

Melanie Hirsch: Langfristig ist unser Ziel, dass BesucherInnen sagen: Bei der Sommer Rhapsodie ist es eigentlich egal, zu welchem Abend du gehst, es ist alles gut!

Palais Liechtenstein: KünstlerInnen können euch auch aktiv kontaktieren und ihr jeweiliges Programm vorstellen. Wie läuft das eurerseits ab und wie rasch könnt ihr eine Entscheidung treffen, ob das für die ‚Sommer Rhapsodie‘ in Frage kommt?

Mena Scheuba-Tempfer: In erster Linie versuchen wir einen Eindruck zu bekommen, was dabei genau passiert und auf welchem Niveau das ist. Wir bitten beispielsweise, ob man uns eine Hörprobe zuschickt, damit wir hineinhören können. Dann weiß man in der Regel relativ schnell, ob es passen würde oder nicht.

Melanie Hirsch: Es kommt schon auch vor, dass qualitativ sehr gute Darbietungen dabei sind, die aber bei uns vielleicht nicht so ganz funktionieren.

Mena Scheuba-Tempfer: Auf jeden Fall gibt es nichts, was wir uns nicht anschauen. Wir freuen uns über jeden Vorschlag. Also jeder Künstler, der das Gefühl hat, er könnte in die Sommer Rhapsodie passen: Wunderbar, bitte sofort schicken.

Palais Liechtenstein: Nun meine abschließende Frage: Wie groß ist euer Erfolgserlebnis, wenn das Programm finalisiert ist?

Melanie Hirsch: Für mich ist das eher ein Prozess. Die schönsten Momente sind für mich oft bei den Darbietungen selbst. Wenn man im Konzert sitzt, und es ist ein perfekter Abend. Du schaust dir dabei die Leute an und siehst, wie begeistert sie sind. Das ist der Moment, in dem ich am zufriedensten bin und denke, das haben wir irgendwie richtig gemacht.

Mena Scheuba-Tempfer: Ich freue mich schon auch über diesen Step dazwischen, wenn alle gebucht sind, das Programm fertig ist und man weiß, jetzt können wir den Flyer drucken. Das ist schon ein „Hey, cool! Geschafft! Wunderbar!“ Und natürlich ist jeder Sommer Rhapsodie – Abend toll, wenn man im Publikum sitzt und glücklich ist, dass es funktioniert und sieht, welche Freude auch die KünstlerInnen haben. Da bekommt man schon das Gefühl, etwas Gutes zustande gebracht zu haben. Und dieses Gefühl ist sehr schön!


Dieses Interview entstand im Zuge einer Beitragsreihe für den Newsletter, bei der aus verschiedenen Perspektiven hinter die Kulissen der 'Sommer Rhapsodie', geblickt wird. Wollen Sie mehr aus dieser Reihe lesen, dann melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.



Sommer Rhapsodie im Garten 2022
Die Sommer Rhapsodie 2022 findet von 10. Juli bis 10. August statt.

Der Kartenvorverkauf startet im kommenden Frühjahr.

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