Lieblingswerke unserer KunstvermittlerInnen


Vier Kandelaber, Ignaz Joseph Würth zugeschrieben

 

Mag. Johannes Karel, seit 2003 Kunstvermittler in den liechtensteinischen Palais, gibt Einblick in die Geschichte der insgesamt vier Porzellan-Bronze-Kandelaber, die Ignaz Joseph Würth zugeschrieben werden.

 

Fernöstliche Porzellane galten bis zur Entwicklung des europäischen Porzellans in Meißen 1710 als Luxusware und daher als Statussymbole mit exotischem Flair für adelige Haushalte. Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurden einige der schon um 1700 in China und Japan geschaffenen Gegenstände der liechtensteinischen Porzellansammlung in neuartige, teils phantastische Kunstobjekte umgewandelt und dadurch dem europäischen Geschmack angepasst.

 

Wohl im Zuge der Neugestaltung des Palais Liechtenstein in der Wiener Herrengasse Mitte der 1790er-Jahre beauftragte Fürst Alois I. den Silberschmied Josef Ignaz Würth damit, einige der Vasen, Schalen und Teller mittels feuervergoldeter Bronzeelemente zu Kandelabern umzuarbeiten. Vier dieser außergewöhnlichen Beleuchtungskörper entstanden zu dieser Zeit. Ein Kandelaberpaar stellt die buntbemalte Vielfalt der asiatischen Porzellane vor, im Unterschied dazu wurden für das zweite Paar ausschließlich Weiß und Kobaltblau glasierte Stücke verwendet. In Kombination mit den satt goldfarbenen Montierungen, auf denen die Kerzentüllen mehrreihig angeordnet sind, entstand ein prächtiger und zugleich eleganter Gesamteindruck. Die Kombination von Weiß, Blau und Gold erinnert zudem an die fernöstliche Praxis, zerbrochene Porzellane mit Goldlack wieder zu kitten – als Ausdruck der besonderen Wertschätzung jener keramischen Meisterwerke.


Mich beeindrucken vor allem die feinen, handwerklichen Details. Diese finden sich sowohl in den feinziselierten Bronzeelementen, die mit stilisierten Blüten, Laubgirlanden und Akanthusblättern geschmückt sind, als auch in den mit zarten Malereien veredelten Glasuren der Vasen und Schalen. Letztere zeigen neben floralen Motiven auch stilisierte Landschaften, menschliche Figuren, Paradiesvögel und – besonders charakteristisch – Glücksdrachen. Es ist gerade diese reiche Formensprache der fernöstlichen Kultur, die in Europa besonders geschätzt wurde und zum nahezu manischen Sammeln anregte. Sie bildet einen Kontrast zur europäischen Stilistik, die im Unterschied dazu mit einer antikisierenden Formen- und Ornamentsprache dagegenhält. Und doch hat es der Künstler verstanden, aus konträren Materialien, nämlich zerbrechliches Porzellan und hartes Metall, sowie wertvollen Objekten völlig verschiedener Kultur- und Kunstlandschaften ein spektakuläres, neues Ensemble zu gestalten, das sich vom Gewohnten so deutlich abhebt. Bis heute verstehen diese außergewöhnlichen Kunstwerke zu begeistern, was ich bei jeder Führung durch das Palais an den Gesichtern der BesucherInnen ablesen darf. Deshalb sind die vier Porzellan-Bronze-Kandelaber meine Lieblingsstücke in der fürstlich liechtensteinischen Kunstsammlung.

Ihre Tickets

Es befinden sich keine Tickets in Ihrem Warenkorb.