Lieblingswerke unserer KunstvermittlerInnen


Prunkhumpen von Matthias Rauchmiller, 1676

 

Mag. Martina Peschek, seit 2017 Kunstvermittlerin in den liechtensteinischen Palais präsentiert den Prunkhumpen von Matthias Rauchmiller  - auch unter dem Namen Matthias Rauchmüller bekannt - aus dem Jahr 1676.

 

Elfenbein als Material übt eine große Faszination aus. In der Barockzeit, besonders im Wien des 17. Jahrhunderts, erlebte die Elfenbeinkunst eine hohe Blütezeit. Fürst Karl Eusebius von Liechtenstein und Kaiser Leopold I. selbst waren im Drechseln ausgebildet und stellten mehrere Hofdrechsler an. Unser Künstler Matthias Rauchmiller dürfte den Status eines Hofkünstlers besessen haben.

 

Der Prunkhumpen aus der Sammlung Liechtenstein gilt als besonderes Meisterwerk, das zudem signiert und mit 1676 datiert ist. Thema des Werkes ist der Raub der Sabinerinnen. Der Humpen, der aus mehreren Teilen (Zylinder, Deckel, Griff und Füße) zusammengefügt wurde, ist übersät mit menschlichen Körpern. Sie sind ineinander verwoben und äußerst detailreich geschildert. Die gewaltsame Besitzergreifung der Frauen durch die Männer ist mehrfach szenisch dargestellt. Die Relieftiefe von bis zu 23 Millimetern unterstützt die räumlich-plastische Schilderung. Der Zylinder steht auf Delfinfüßen.

 

Der Humpen wurde im Jahre 1707 von dem damaligen Rektor der Universität, Dr. Wolfgang Lebzelter, für die fürstlichen Sammlungen erworben. Die Liechtenstein’schen Hofzahlamtsbücher berichten über weitere heute verschollene Werke von Rauchmiller, wie etwa eine steinerne Gruppe, zwei Bilder sowie zwei Stücke aus Elfenbein.

 

Matthias Rauchmiller ist in Wien seit 1675 nachweisbar und als einer der entwerfenden Künstler der Wiener Pestsäule bekannt. Auch schuf er als Maler einen Freskenzyklus in der Dominikanerkirche. Er wurde 1645 in Radolfzell im Bodenseegebiet geboren. Über seine Ausbildungen wissen wir wenig. Er dürfte wohl von der Bildhauerfamilie Schenk in Konstanz wichtige Impulse erhalten haben. Weitere Stationen führten ihn nach Mainz und Trier. Nach einem kurzen Arbeitsaufenthalt in Passau 1685 kehrte er 1686 nach Wien zurück, wo er 41-jährig verstarb.

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