Lieblingswerke unserer KunstvermittlerInnen


Venus vor dem Spiegel von Peter Paul Rubens, 1614/1615

 

Mag. Manuel Kreiner, Kunstvermittler in den Palais Liechtenstein seit 2003 präsentiert sein Lieblingskunstwerk:

"Peter Paul Rubens war acht Jahre in Italien, nun bietet er seinem Antwerpener Publikum in den 1610er Jahren Themen der Antike. Er lässt diese vergangene Welt lebendig vor unseren Augen wiederauferstehen. Dazu braucht er beim Ölgemälde "Venus vor dem Spiegel" keine konkrete mythologische Erzählung, sondern Rubens führt die Betrachter (und in diesem Fall geht es um die Männer) nahe an die eigentlich unerreichbare Göttin der Liebe heran, erzeugt eine Intimität und erzählerische Klammer zwischen unser realen Welt und jener des Gemäldes. Gerade in diesem Moment sinnlicher Betrachtung wird der Mann vor dem Bild seinerseits Gegenstand der Beobachtung der Venus im Spiegel. Der Spiegel hat seit der Antike Symbolcharakter, als Zeichen der Selbsterkenntnis, aber auch der Vanitas, der Vergänglichkeit alles Irdischen, wie in unserem Fall der Liebe oder der Schönheit. Zugleich ist Vorsicht geboten, denn den Blicken der Liebesgöttin haftet immer auch die Gefahr an, im übertragenem Sinne Opfer der Liebe schlechthin zu werden. Und Liebe hat Freudenmomente, aber auch Schattenseiten. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass die Venus einen Ohrring mit einer weißen Perle und einen mit einer schwarzen Perle trägt? Aufgrund dieser Pointen und Tiefgründigkeiten schätze ich die Kunst Rubens´ so sehr, aber natürlich auch aufgrund seiner malerischen Fähigkeiten. Man könnte über die Qualität bei der Wiedergabe von Haut, Fleisch, bewegter Oberfläche des nackten Körpers der Venus im Zentrum ins Schwärmen kommen, über die Strahlkraft ihrer blonden Haare. Ein Detail – viel weniger plakativ, aber umso delikater – hat es mir aber besonders angetan: Beim Gesicht der Dienerin in der rechten oberen Ecke lässt Rubens das Gesicht der dunkelhäutigen Frau plastisch aus dem verschatteten Hintergrund hervortreten (weiß Gott keine einfache Aufgabe für einen Maler) und belebt diese Stelle des Bildes durch einen Turban auf ihrem Kopf, der nur durch dynamische weiße Striche angedeutet ist. Herrlich, vor allem wenn man die Gelegenheit bekommt, dieses Detail im Original, und damit jeden einzelnen Pinselstrich zu sehen!

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