Unsere KunstvermittlerInnen präsentieren ihre Lieblingswerke


Decamerone von Franz Xaver Winterhalter, 1837 


Stefanie Lackner, BA, Kunstvermittlerin im GARTENPALAIS und im STADTPALAIS seit 2015 erläutert die Geschichte hinter dem Gemälde:
"Auf Franz Xaver Winterhalters Darstellung des Decamerone freue ich mich nicht nur bei jeder Führung im STADTPALAIS, es hat auch einen Bezug zur aktuellen Situation und begleitet mich deshalb als Bildschirmhintergrund durch die Corona-Zeit. Obwohl man es dem farbenfrohen Bild nicht auf den ersten Blick ansieht, erzählt es nämlich von einer Art selbstgewählten Quarantäne in der ländlichen Idylle Italiens zur Zeit der Pest-Pandemie im 14. Jahrhundert.

Diese dient in Boccaccios literarischer Vorlage als Rahmenhandlung für 100 Kurzgeschichten, die sich seine zehn Protagonisten, die wir auch in Winterhalters Bild versammelt sehen, an zehn Tagen gegenseitig erzählen. Die von der Krankheit heimgesuchte Stadt Florenz ist in der Darstellung nur im Hintergrund zu sehen, denn die Gruppe hat sich auf das Land zurückgezogen – ein Ansatz von Social Distancing, aber Baby-Elefanten passen keine zwischen die jungen Damen und Herren. Stattdessen lassen die Gesichtsausdrücke und Blicke, die ausgetauscht werden, eher amouröse Verwicklungen vermuten. Kein Wunder, denn Winterhalters Figuren haben stets makellose Porzellanhaut und feine, an Raffaels Madonnen erinnernde Gesichtszüge – ein Erfolgsrezept, das man noch immer in der Fotografie mit Filtern und Photoshop anstrebt.

Winterhalter hat das Gemälde, das 1837 aus der Präsentation im Pariser Salon als Gewinner hervorging, jedenfalls zu einer steilen Karriere als "Fürstenmaler" verholfen, denn alle hohen Häupter Europas wollten damals von ihm porträtiert werden. Obwohl er im vorliegenden Werk keine historischen Persönlichkeiten darstellt, schafft Winterhalter es doch bei aller Idealisierung individuelle Figuren zu schaffen. In ihrer Mitte Pampinea, die mit einem Lorbeerkranz zusätzlich als Initiatorin und Königin des ersten Tages ausgezeichnet ist, und die Boccaccio sagen lässt, dass "wenn deren einer erzählt, die ganze Gesellschaft die ihm zuhört, sich daran ergötzen kann".

In diesem Sinn, hoffe ich, Ihnen nicht nur Lust gemacht zu haben, das Werk im Original zu sehen, sondern auch auf mehr Geschichtenerzählen bei einer unserer nächsten Führungen."

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