Der Goldene Wagen​


Der Goldene Wagen ist eines der qualitätsvollsten Beispiele des Pariser Wagenbaus des
18. Jahrhunderts, von denen nur wenige Exemplare die Wirren der französischen Revolution überlebten. Zahlreiche Dokumente im Fürstlich Liechtensteinischen Hausarchiv geben über seine Baugeschichte und Verwendung Aufschluss. Zeitgenössische Berichte und bildliche Darstellungen von offiziellen Ereignissen, bei denen er gefahren wurde, veranschaulichen seine Bedeutung.


Fürst Joseph Wenzel I. von Liechtenstein wurde nach dem Friedensschluss 1737 zum ersten kaiserlichen Botschafter am französischen Hof in Paris ernannt. Aus Anlass des bevorstehenden offiziellen Einzugs reiste der Fürst bereits 1737 nach Paris, um bei dem bekannten Rokokobildhauer und -designer Nicolas Pineau insgesamt fünf Prunkwägen in Auftrag zu geben. Die Carrosses d´Ambassadeur waren Höhepunkt der prunkvollen Ausstattung für Joseph Wenzels feierlichen Einzug in Paris am 21. Dezember 1738 und zwei Tage darauf in Versailles. Der imposante Zug bestand aus mehr als 50 Wägen die von Pferden aus dem fürstlichen Gestüt in Eisgrub gezogen wurden.

Rund 20 Jahre später fand der Wagen eine bedeutende Wiederverwendung: Der Fürst wurde im Jahr 1760 von Maria Theresia beauftragt, Isabella, die Verlobte Kaiser Josephs II. von Parma abzuholen und nach Wien zu begleiten. Im September hielt der Fürst in einer aufwändigen Auffahrt von Gala-Wägen in Parma Einzug. Dieses Ereignis ist auch auf einem Gemälde von Martin van Meytens illustriert, das sich in den Fürstlichen Sammlungen befindet. Für die Heimreise wurde der Wagen zerlegt und sorgsam verpackt und erst für den Einzug der Prinzessin in Wien wieder zusammengesetzt.

Ein letztes Mal wurde der Goldene Wagen 1764 verwendet, als Fürst Joseph Wenzel als Prinzipalkommissar bei der Kaiserwahl und Krönung Josephs II. in Frankfurt auftrat.

Technisch entspricht der Goldene Wagen einer so genannten „Berline de suite“, dem damals modernsten und elegantesten Wagentyps. Dieser zeichnete sich besonders durch seine Stabilität und seinem Komfort aus. Die malerische Ausstattung stammt vermutlich aus dem Atelier von François Boucher. Sie zeigt nicht, wie sonst üblich, die Tugenden eines Herrschers, sondern spielende Putten, welche die vier Elemente und die vier Jahreszeiten symbolisieren. Der Name „Goldener Wagen“ ist nicht historisch, sondern stammt wohl aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Der Goldene Wagen blieb schliesslich das gesamte 19. Jahrhundert hindurch bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs in Schloss Feldsberg, dem Sitz der Familie Liechtenstein. Danach wurde er nach Wien gebracht und in der Wagenburg in Schönbrunn ausgestellt. Während der Langen Nacht der Museen 2003 nahm der Goldene Wagen auf einem Tieflader seinen Weg durch die Stadt zu seinem jetzigen Aufstellungsort, dem GARTENPALAIS Liechtenstein in der Rossau.

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