Die Möbelsammlung im STADTPALAIS Liechtenstein​


Ähnlich wie in der Malerei vollzog sich auch im Möbelbau der Übergang vom Klassizismus und Empire zum Biedermeier über lange Zeit und ohne harte Zäsur. Die im STADTPALAIS Liechtenstein präsentierten Möbel zeigen die Vielfältigkeit der Formen und Farben und vermitteln ein lebendiges Bild der Wohnkultur dieser Zeit. Dem ursprünglichen Interieur entsprechend sind die Prunkräume mit Möbeln nach Entwürfen von Peter Hubert Desvignes und Michael Thonet ausgestattet.

In den Galerieräumen sind unter anderem die raffinierten Arbeiten eines David Roentgen oder markante Stücke der Danhauserschen Möbelfabrik zu sehen, deren Entwürfe das Bild des Gewohnten völlig umkehrten und Avantgarde wurden.


Mit dem zunehmenden Bedürfnis nach Wohnlichkeit erfuhr auch der Möbelbau dieser Epoche einen großen Aufschwung. 1816 gab es in Wien nachweislich 578 offiziell zugelassene Schreinereien und 297 Tischlermeister. Kunsttischler mussten an der Akademie eine Prüfung im Zeichnen ablegen, womit die Qualität der Wiener Möbel gesichert werden konnte.

Seit den 1830ern vermischten sich die Gestaltungsprinzipien des Biedermeier, des Empire und des Neorokoko zunehmend und dem Fantasiereichtum der Wiener Möbelentwerfer waren kaum Grenzen gesetzt. Die technischen Entwicklungen trugen maßgeblich zu den rasanten Veränderungen des Stils in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei.

Der Charakter der österreichischen Biedermeier-Möbel wird häufig als „mit verspieltem Ernst“ beschrieben. Zierliche und gleichzeitig solide Formen waren typisch für einen Großteil der damaligen Möbelproduktion. Neben hellen Hölzern wurde im Biedermeier vor allem Nussbaumholz aufgrund seines warmen Farbtons geschätzt. Die ästhetische Wirkung des einzelnen Möbels bestimmten einerseits das Furnier und seine Verarbeitung, andererseits spielte der Stoffbezug eine entscheidende Rolle. Kontrastfarben in heute höchst ungewöhnlichen Kombinationen waren der Inbegriff des zeitgenössischen Designs, das sich auch in Tapeten und Teppichen wiederfand.

Die Entwürfe für die Ausstattung des STADTPALAIS stammen Großteils von Desvignes selbst, die Ausnahme bilden dabei Michael Thonets Bugholzsessel. Thonet entwickelte in seiner Heimatstadt Boppard um 1830 die ersten Bugholzmöbel. Er verwendete schichtweise verleimte und unter Dampf gebogene Furnierstreifen zum Bau von Stühlen und ließ sein Verfahren 1841 in Paris patentieren. 1842 übersiedelte Thonet auf Einladung des österreichischen Staatskanzlers Fürst Clemens Metternich nach Wien.

Für das STADTPALAIS entwarf er eine Reihe leichter, eleganter Stühle, wobei Thonet verschiedene Typen entwickelte und sie entweder vergoldete oder in Palisander furniert anfertigte. Hierfür entwickelte er ein neues Biegeverfahren, die Stabverleimtechnik. Dabei wurden zu Bündeln verleimte Holzstäbe in jede gewünschte Richtung gebogen. Die Sessel scheinen auch in den Handwerksrechnungen auf, allerdings ohne den üblichen Vermerk „nach Zeichnung und Angeben des H. Architekten Desvignes“. Die Bezeichnung „Laufsessel“ findet sich in einem Möbelinventar von 1847 und wurde zum Synonym für jenen Typ Sessel, der aufgrund seiner Leichtigkeit bequem zu verstellen war.

Neben diesen, im Design simplen Stühlen, forcierte Desvignes die Abkehr vom Biedermeier und die Hinwendung zum opulenteren Neo-Rokoko. Die Verarbeitung exklusiver Werkstoffe und die handwerkliche Qualität der Dekorationselemente waren dabei von größter Bedeutung. Häufig entsprachen die heimischen Produzenten und deren Erzeugnisse jedoch weder im Preis noch in der Qualität Desvignes Ansprüchen, weshalb er englische oder französische Arbeiten erwarb.

Ergänzt wurde die Innenausstattung des STADTPALAIS durch die Aufstellung von exotischen Sammelobjekten. Das Interesse an ostasiatischen Lackarbeiten lässt sich bis in das 18. Jahrhundert zurückverfolgen und war in Österreich zur Zeit Maria Theresias besonders hoch. Mitte des 19. Jahrhunderts griff Desvignes diese Vorliebe wieder auf und kombinierte seine Möbelentwürfe ebenfalls mit Chinoiserien. Vor allem die beiden extravaganten Ecketagèren im Großen Mahagoni-Zimmer mit ihren originalen Porzellanen sind einzigartige Beispiele solcher Konzeptionen.

Desvignes Befürchtungen „... I shall leave Vienna, my name will vanish like an Ephemera, be quite forgotten and others will jump into my hard-earned and well-earned laurels if even there should be praise bestowed on what has been done there through my means and toil – no one knows what I have had to go through, how my patience has been tried, how my feelings have been worked up...“ haben sich nicht bewahrheitet und sein Schaffen ist heute wie damals einzigartig.

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