Die Gemäldesammlung
der Liechtensteins im STADTPALAIS


Sowohl der Architekt als auch der Hausherr, Fürst Alois II., legten auf die Möblierung und Dekoration in diesem Wohn- und Repräsentationspalais größten Wert und wollten nur das modernste und angesagteste Interieur verwirklicht wissen. Der überwiegende Teil der im STADTPALAIS gezeigten Gemälde stammt aus der Zeit des Biedermeier. 


Geben die Zahlen 1815 und 1848 die Eckpunkte für diese Epoche vor, setzten die stilistischen Entwicklungen zum Teil schon lange vorher ein und glitten nahtlos aus Klassizismus und Empire herüber. Auch das Ende lässt sich nicht leicht definieren. Viele Künstler waren noch weit in die zweite Jahrhunderthälfte hinein tätig und setzten ihr Werk unbeeindruckt von den gesellschaftspolitischen und künstlerischen Umwälzungen fort. Die Politik mit ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Einzelbürger spielte eine andere Rolle als zuvor. Es begann der Rückzug ins Private, auch wenn dies nicht unbedingt die eigenen vier Wände sein mussten. In der Malerei ist nun nicht mehr die Welt der Bibel oder die der Antike tonangebend, sondern jene des alltäglichen, häuslichen Lebens.

Die Beobachtung, aber auch die Verklärung des Alltagslebens wurde weiters in zahlreichen Genreszenen dargestellt, wobei das Festhalten bedeutungsloser Augenblicke sich großer Beliebtheit erfreute. Bereits in der flämischen wie der holländischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts und danach nochmals in Frankreich des ausgehenden Rokoko war das Genre in unterschiedlicher Weise zum großen Thema geworden. Diese oft minutiös gemalten Darstellungen des Alltagslebens, wo raffinierte Feinmalerei mit meist sehr stillen städtischen Szenen und derbe, burleske Motive aus dem Leben der Landbevölkerung gleichrangig waren, interessierte die Maler des Biedermeier nun in besonderen Maße.

In der Landschaftsmalerei brachten Künstler wie Rudolf von Alt, Friedrich Gauermann oder Ferdinand Georg Waldmüller von ausgedehnten Reisen in den Süden ein neues Farbspektrum mit, dessen goldener Glanz zu Hause so nicht zu finden war. Die Landschaften der Heimat – von den Alpen über den Wienerwald bis in die ungarische Tiefebene - boten schier endlose Motive. Während einige Künstler alltägliche, stille Situationen darstellten oder minutiöse Veduten anfertigten, gaben Andere die überwältigende Natur wieder und inszenierten dramatische Stimmungen. Häufig entstanden so Fantasiestücke, komponiert aus realen Teilen unterschiedlicher Quellen. Die Maler fertigten dabei in der freien Natur Studien auf kleinen Täfelchen an, die anschließend im Atelier kunstvoll ausgearbeitet wurden. Wäre es hundert Jahre früher noch undenkbar gewesen ins Hochgebirge zu gehen um dort Gletscher zu studieren, war dies für Künstler und deren begleitende Auftraggeber jetzt selbstverständlich.

Ähnlich bedeutend wie die Landschaftsmalerei des Biedermeier ist die Porträtmalerei dieser Zeit. Auch hier bestimmen die Beobachtung des Augenblicks, die Erzählung kleinster Details und die Wiedergabe der Lichtsituation den Bildinhalt. Hauptvertreter wie Ferdinand Georg Waldmüller und Friedrich von Amerling sind mit einer Fülle von Porträts in den Fürstlichen Sammlungen vertreten und belegen die enge Beziehung zwischen Auftraggeber und Maler. Die Porträtgalerie ist aber auch ein Abbild der bürgerlichen Gesellschaft der Zeit. So zählen Architekten, Mediziner wie auch die Künstler selbst zu den Porträtierten.

Neben Porträts, Genreszenen und Landschaften finden sich auch Stillleben im Repertoire zahlreicher Biedermeiermaler. Keiner vermochte jedoch derart brillante Farben auf die Leinwand zu zaubern wie Georg Ferdinand Waldmüller. Meisterhaft versteht er es, subtilste Nuancen wiederzugeben, wodurch seine Gemälde nahezu fotorealistisch wirken.

 

 

 

Bild:
Ferdinand Georg Waldmüller
Auferstehen zu neuem Leben, 1852
Öl auf parkettierter Holztafel
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

 

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