Die Geschichte des Porzellans
in Wien


Im späten 17. Jahrhundert faszinierte Porzellan aus China und Japan durch seine feine und dünnwandige Ausführung Sammler und Adelshäuser gleicher Maßen. 1708 gelang es dem Dresdner Alchemisten Johann Friedrich Boettger die Rezeptur dieses Porzellans zu entschlüsseln und schon zwei Jahre später wurde in Deutschland die Meissner Porzellanmanufaktur gegründet.

In Wien erhielt Claudius Innocentius du Paquier am 27. Mai 1718 von Kaiser Karl VI. das Privileg zur Herstellung von Porzellan und gründete die Manufaktur in der Rossau.


Charakteristisch für die frühe Produktionsphase der Manufaktur Du Paquier ist die polychrome Bemalung mit figürlichen oder floralen Chinoiserien. Die nuancenreiche Farbpalette sowie Kombinationen von Eisenrot und Purpurtönen ermöglichten bereits um 1725 die Erzeugung farbenprächtiger Objekte.

Zierten die edlen Stücke anfänglich Kaminsimse und Schränke, waren Kannen und Becher bald in täglichem Gebrauch, denn nichts eignete sich besser für den Genuss der neuen Modegetränke Kaffee und Schokolade als edles, meist bemaltes Porzellan.

Neben den Porzellanmalern die in der Manufaktur tätig waren gab es auch sogenannte Hausmaler. Als freischaffende Künstler bemalten sie in ihrer eigenen Werkstatt Glas und weißes Porzellan.

Um 1770 blickte die Wiener Manufaktur unter Direktor Ferdinand von Kestler nach Frankreich. Das neue Repertoire umfasste innovative Formen und Farben, wobei die Vergoldung als wesentlicher Bestandteil angesehen wurde. Nach wirtschaftlichen Problemen erfuhr die Wiener Porzellanmanufaktur
ab 1784 unter Conrad von Sorgenthal einen neuen Aufschwung.

Von der Form des „gobelet litron“ der Manufaktur Sèvres ausgehend, entwickelte der Modellmeister der Wiener Manufaktur Anton Grassi unter Sorgenthals Leitung ein neues, in seiner Grundform schlichtes Formenvokabular. Die zylindrische Tasse samt ihrer charakteristischen Untertasse mit weitem Rand spiegelte das ästhetische Ideal im Geist der Aufklärung wider und wurde zum Inbegriff des klassizistischen Wiener Porzellans. Darüber hinaus bot die klare Form die optimale Möglichkeit einer flächendeckenden Dekoration. Thematisch reichte die Palette von farbenprächtigen Ornamenten über Porträts bis hin zu detaillierten Veduten und Reiseimpressionen. Weiters fertigten die geschulten Porzellanmaler aufwändige Kopien berühmter Gemälde an.

Zu einem eigenen Genre entwickelte sich die Darstellung heimischer und exotischer Pflanzen und Tieren. Trotz ihrer vielfältigen Themen haben diese Porzellane jedoch eines gemeinsam: ihr außerordentlich kostbares Aussehen aufgrund der delikaten Goldreliefs. Selbstverständlich waren diese edlen Objekte niemals für den Gebrauch bestimmt, sondern zierten als Souvenir oder Sammlerstück die vorwiegend heimischen Wohnzimmer wohlhabender Connoisseurs.

Neue Reproduktionstechnologien sowie die kostengünstigeren Produkte der böhmischen Konkurrenz führten am 22. August 1864 zur Schließung dieser Wiener Institution. Die 1923 gegründete Porzellanmanufaktur Augarten führt die Tradition der Wiener Porzellanmanufaktur fort und produziert unter anderem Nachbildungen von deren Entwürfen.

 

 

Foto: Porzellanservice - Königliche Porzellanmanufaktur Berlin
© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

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